Die scheiß Angst, dieser Teufel

Über den Feind Nummer 1, das Leben zu genießen

Von Hendrik Heidler

Viele Ängste gehen um in Europa und das nicht erst seit heute. Vor etwa 1000 Jahren begannen die christlichen Einfälle in das Morgenland, und selig wadeten die Kreuzritter im Blut der niedergemetzelten Muslime zum Grab Jesu. Erinnert sei an die Angst vor einem zornigen Gott, dessen vermeintliches Strafgericht in Form des Schwarzen Todes (Pest) Europa entvölkerte. Anschließend waren es Hebammen und Kräuterweiber, die als böse Hexen verunglimpft, das christliche Abendland in Gefahr bringen würden. Ebenso wie die Juden und später die Arbeitsscheuen, bis sich dann glücklicherweise 70 Jahre lang die gottlosen Kommunisten als wunderbare Projektionsflächen eigneten, um Angst zu schüren. Dummerweise stellten die sich so blöd an, um sich selber aus der Weltgeschichte zu verabschieden. Die Feinde waren plötzlich ausgegangen. Gott sei Dank konnte an vor 1000 Jahren angeknüpft werden, die Angst vorm Muselmann. Die waren alle inzwischen längst nicht mehr so barmherzig, wie es der Koran lehrt. Womöglich haben sie gut von ihren christlichen Vorbildern gelernt, sowohl in erbarmungsloser Brutalität als auch im alltäglichen Konkurrenzkampf. Wen wundert es also, wie wunderbar sie sich in Sippenhaft nehmend als Terroristengefahr benutzen lassen, um von der eigenen Scheiße abzulenken. Und was geht da besser, als die eigene Angst auf Fremdes zu übertragen?

Dann ist man wie von Zauberhand aus dem Schneider, kann sich in Selbstgerechtigkeit sielen und braucht gar nichts mehr zu machen. Alles ist entweder die Schuld der „dreckigen“ Muslime oder sonstwem. Andere auszugrenzen oder umzubringen wird dann schnell zur Normalität und ist gar nicht mehr schlimm, weil es die Angst ist, die es zu bekämpfen gilt, mit allen Mitteln. Dieser Krieg gegen das Fremde tobt allerdings inzwischen auch gegen uns selbst. Entfremdet von unserer eigenen Lebendigkeit funktionieren wir in dieser Lebens- und Produktionsweise für abstrakte (sinnentleerte) Prinzipien, wie es die Geldvermehrung nun einmal ist. Dadurch treten sozusagen unsere eigenen natürlichen Lebensbedürfnisse als zutiefst Fremdes uns selbst entgegen. Sehr deutlich zeigt sich das, im Kampf gegen die Angst. Ganz selbstverständlich wird diese als Gegnerin betrachtet und entsprechend hart und kriegerisch bekämpft. Wie oft höre ich: „Wenn nur diese scheiß Angst nicht wäre!“
Ja, was wäre denn dann? Wir wären längst tot! 

Die Angst ist doch etwas ganz wunderbares und wird erst zur Qual, wenn wir nicht auf sie hören. Kein Mensch käme auf die Idee, wenn er Durst hat zum Arzt zu gehen, um sich Tabletten gegen den Scheiß Durst verschreiben zu lassen. Gegen die Angst aber, ist es ganz normal. 
Aber die Angst zeigt sich nicht umsonst. Ihr drängenstes Anliegen ist es, uns zu behüten, uns am Leben und lebendig zu erhalten, uns zu zeigen, dass wir Gefahr laufen oder längst dabei sind, gegen uns selbst zu leben. 

Die Angst ist eine lebenswichtige Freundin, eine weise Frau, die hartnäckig dran bleibt und erst verschwindet, wenn wir entweder auf sie hören oder, was üblich ist, sie mit Drogen zukiffen.
Freilich, wenn wir sie mit Gewalt mundtot machen, um weiter einer Lebensweise nachzugehen, die sich das Leben als Feind Nummer eins auserkoren hat, dann braucht es weitere Feinde, die es zu bekämpfen gilt, wenn man nicht konsequenterweise das gesamte Leben vernichten will.
(Übrigens, die Bereitschaft Atomkriege zu führen, zeigt, wie nahe diese Konsequenz in Betracht gezogen wird.)
Eine stumm gemachte Angst kann uns nicht mehr sagen, welchen Schaden wir uns antun, dann müssen andere Zeichen her, wie zum Beispiel anhaltende Körperschmerzen, Depressionen, Krebs usw. Wird dann immer noch nicht darauf gehört, wird der Krieg gegen das Eigene, inzwischen so fremd erscheinenende Leben gnadenlos fortgesetzt - mit Feuer und Schwert, sprich mit Skalpell, Chemie und Bestrahlung. Selbstopferung in der Hoffnung auf Erlösung. Aber ganz ehrlich, kann denn eigene Verstümmelung beleben?

Zurück zur Angst. Hier einige ihrer lebenswichtigen Aufgaben. Sie ist:

  • die Lebenswächterin. Sie wacht über unser Leben. Gerät es in Gefahr, meldet sie sich.
  • die Prophetin. Sie erkennt viel zeitiger als wir, wohin es mit uns führt, wenn wir uns von unserer Lebendigkeit entfernen.
  • die Verkünderin des Unbekanntem. Sie zeigt uns an, aufmerksam mit uns umzugehen, wenn neue Schritte auf unserem Lebensweg dran sind, wenn Wandlungen anstehen.
  • die Wachmacherin. Sie fordert uns auf, hell wach zu sein, alle Sinne einzuschalten, weil Gefahren lauern.

Aber, wie kann Sie ihre wichtige, liebevolle Aufgabe wahrnehmen, wenn wir sie bekriegen und einsperren? 

Nein, auf diese Weise verschwindet sie nicht. Sie trachtet danach, sich zu befreien, weil es ihr Himmelangst um uns wird. Je mehr wir sie unterdrücken, umso heftiger kehrt sie zurück. Es sei denn, wir versuchen sie dauerhaft zu morden. Der Preis aber, den wir dafür bezahlen, ist unsere Lebendigkeit, unsere Lebenslust, unsere Leichtigkeit, unsere Heiterkeit unsere Träume usw. Jeder, der es entweder selbst erlebt hat oder im Familien oder Freudneskreis miterlebte weiß, wie Menschen drauf sind, wenn sie wegen ihren Ängsten ruhig gestellt bzw. künstlich aus depressiver Dunkelheit aufgehellt werden. Sie verlieren ihre  Eigenheiten, ihren Antrieb. 
Das kommt meist davon, dass Wandlungen, Erkrankungen. anstehende Lebensaufgaben abgewiesen werden, sich für alltägliches Funktionieren entschieden wird. Aber die Seele drängt es nach Lebendigkeit und Sinnerfülltheit. Und die Angst kommt, wenn wir nicht auf sie hören. Wir können das entscheiden! Niemand anders. Gegenwärtig scheint es, als entscheiden wir uns nicht nur gegen die Lebendigkeit der Fremden sondern auch gegen unsere eigene. Daher soviel Angst in Europa. Daher so viel Angst vor den Muslimen, Schwarzen und überhaupt allen Anderern. Es ist unsere eigene Angst vor uns selbst und dem, wozu wir hier auf dieser wundervollen Erde sind. Wir haben Angst davor zu erschrecken, wie sehr wir uns selbst verhindern, unterdrücken, bekriegen und verstümmeln. Es ist die Angst vor dem Eingeständnis, dass wir unsere schönen Lebensträume für Geld und sinnfreie Arbeiten aufgegeben haben.

Nicht nur Europa steht vor einem Scheideweg, die eigene Entfremdung zum Anlass zu nehmen, entweder das Fremde weiter zu morden und damit sich selbst, oder das eigene Leben anzunehmen und damit auch das Fremde!!!

Dazu gehört auch Genuss. Auch dafür kommt die Angst, wenn er nicht mehr zugelassen wird!!!

Es lohnt sich, hinzuschauen, auch wenn es weh tut.