Karriere, Macht und leidende Seelen
Psychopathie: Krankheit als „Erfolgsrezept“
geschrieben am 27.10.2025 von Hendrik Heidler, Scheibenberg
Karriere, Macht und leidende Seelen
Psychopathie: Krankheit als „Erfolgsrezept“
Immer wieder staune ich darüber, wie treffend sich Krankheitsdefinitionen auf die gegenwärtige Lebenswirklichkeit anwenden lassen. Von Narzissmus habe ich ja des öfteren geschrieben (siehe hier), zu dem eine andere Erkrankung wie dafür geschaffen erscheint, die Psychopathie. Und auch wenn dieses „Leiden der Seele“ wahrscheinlich nicht bewusst hervorgebracht wurde, ist sie doch eine unbedingte Notwendigkeit um eine solche unmenschliche gesellschaftliche Ordnung zu erhalten, wie die gegenwärtige. Zur Verdeutlichung erwähne ich kurz zwei der wesentlichen Grundmerkmale der gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweise:
- der erzwungene Verbrauch von Lebenskraft und -zeit mittels sinnentleerter Lohnarbeit für Geld zur Bedürfnisbefriedigung
- die erzwungene Konkurrenz Jeder gegen Jeden für den Erwerb des nötigen Geldes zur Finanzierung der Bedürfnisfbefriedigung
Beide Punkte sind per Definition unmenschliche, sprich asoziale Verhaltensweisen, weil sie sowohl die Lebendigkeit des Einzelnen aufzehren als auch das menschliche Wesen als geselliges zerstört. Daher nagen diese Punkte an der Seele (Psyche) aller Menschen bis zur Psychopathie. Das absolut verrückte dabei ist jedoch die Tatsache, dass gerade hinsichtlich der Psychopathie diese perfekt dafür geeignet ist, um Karriere bis in die höchsten Staats- und Wirtschaftsposten zu machen – ein sich miteinander beförderndes Wechselspiel von asozialem Verhalten und asozialer Gesellschaftsform. Zur Begründung dieser Aussage füge ich hier die Definition (lt. wikipedia) der Psychopathie ein:
Definition Psychopathie
Psychopathie bezeichnet heute eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei können sie sehr manipulativ sein, um ihre Ziele zu erreichen. Psychopathie geht häufig mit antisozialen Verhaltensweisen einher, sodass in diesen Fällen oft die Diagnose einer dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann. Psychopathie kann jedoch mitunter auch als Komorbidität einer Borderline- oder narzisstischen Persönlichkeitsstörung auftreten.
Nunmehr dürfte es nicht mehr schwer zu erkennen sein, dass genau dieses „Leiden der Seele“ sich bestens zu Erfolg und Aufstieg eignen. Ein Blick in Medien, auf Regierungsbänke und Konzernetagen genügt. Umgekehrt ist daraus der Schluss zu ziehen, das Mitgefühl, Verantwortung, Gewissen und soziale Verhaltensweise Erfolg und Aufstieg im Wege stehen, ja durchaus zu Abstieg, Armut und Ausgrenzung führen. Was natürlich NICHT heißen soll, dass jeder Erfolgreiche zugleich Psychopath ist und jeder Erfolglose ein Heiliger - mir geht es um die grundsätzliche Beschreibung des systemischen Zustandes.
Zusammengefasst müssten psychopathisch erkrankte Personen einer Heilbehandlung zugeführt werden und nicht zu Amt und Würden kommen. Was zeigt, dass die gesamte gesellschaftliche Wirklichkeit eine völlig auf dem Kopf stehende ist, die Psychopathen nicht nur nicht heilsam behandelt sondern ihnen inzwischen sogar die Macht in Händen legt, die Menschheit so nah wie noch nie an ihre atomare Zerstörung herangeführt zu haben. Mich gruselt das und macht mir auch Angst, gerade in Anbetracht der Verquickung von Psychopathie mit Narzissmus, weil letzterer unter anderem mit dem Merkmal fehlender Krankheitseinsicht einher geht, was zu erweitertem Suizid führen kann. Also bei scheinbar fehlendem Ausweg aus einer selbst hineinmanövrierten Situation lieber sich und andere zu töten (eben infolge nicht vorhandener Krankheitseinsicht immer andere zu Beschuldigen), Amok zu laufen – und im Falle von Machthabenden lieber einen Atomkrieg mit einer Atommacht anzuzetteln als einzugestehen, etwas falsch gemacht zu haben. Millionen von Verletzten und Getöteten ist diesen seelisch Erkrankten völlig schnuppe, siehe die Definition der Psychopathie: „fehlen von Empathie“ also Mitgefühl.
Dem kann nur Mitgefühl, Verantwortlichkeit, Gewissen, Ehrlichkeit anderen und sich selbst gegenüber entgegen gesetzt werden – einzeln und massenhaft!
Hendrik Heidler, am 27.10.2025
PS:
Es sind nicht einzelne, psychopathische Personen, die alles bestimmen, sondern versachlichte gesellschaftliche Herrschaftsstrukturen, die Psychopathen an die Macht spülen und diese Menschen tun natürlich wiederum alles, um jene, ihnen nützliche Strukturen zu erhalten. Wie anders: sie würden sonst als Leidende ihrer Seelen erkannt und entsprechend behandelt werden können. Woraus sich die Notwendigkeit ergibt, die derzeit herrschenden Gesellschaftsstrukturen als krank zu erkennen und grundsätzlich hin zu gesunden Lebensweisen zu verändern.