Sag mir wo die Männer sind wo sind sie geblieben?
geschrieben am 04.03.2024 von Hendrik Heidler, Scheibenberg
Sag mir wo die Männer sind
wo sind sie geblieben?
Mit drei Jahren verlor meine Mutter ihren Vater im Zweiten Weltkrieg. In den folgenden vier Jahren erlebte sie als Kleinkind alle paar Tage weinende Frauen, die wieder einen ihrer gefallenen Männer betrauerten. So jung sie noch war, so gut erinnert sie sich doch an dieses unaussprechliche Leid – und auch die Sirenen bei Fliegeralarm klingen ihr noch in den Ohren.
In der hiesigen Kirche sind die Namen der gestorbenen und für immer vermissten Männer Scheibenbergs aufgeführt, die der Krieg von 1939 bis 1945 verschlungen hat – 256! Und das in einer solchen kleinen Stadt (bemerkenswert dabei ist, dass 1939/40 „nur“ vier Männer starben und erst mit dem Überfall 1941 auf Russland (Sowjetunion) die anderen 252 den Tod fanden – nunmehr hauptsächlich an der Ostfront).
Erschütternd beim Betrachten dieser Tafel in der Scheibenberger Kirche wirkt auch, wie sich Familiennamen in beiden Weltkriegen zeigen, also zwei Generationen Männer geopfert wurden. Auch mein Groß- und Urgroßvater kamen im Osten um – der Urgroßvater übrigens 1918 in der Ukraine NACH dem Ersten Weltkrieg als deutsche Truppen zusammen mit anderen westlichen Staaten intervenierten (einfielen).
Es existiert ein Familienfoto aus dem Jahr 1947, auf dem nur ein einziger alter Mann zu sehen ist, ansonsten alles Frauen und Mädchen – ganz nach dem bekannten Lied von Marlene Dietrich: „Sag mir wo die Männer sind wo sind sie geblieben?“ (gesamter Text siehe ganz unten)
So viel Elend durch diese Überfälle auf Russland und immer noch ist es offenbar nicht genug. Gerade mal zwei Generationen haben sie es ausgehalten, die deutschen Eliten, bis sie nunmehr glauben, die Zeit der Rache für die verlorenen Kriege sei gekommen und gemeinsam mit den anderen westlichen „Herrenmenschen“ endlich dieses widerspenstige Russland zu brechen. Noch kurz vor seinem Tod schüttelte mein Vater den Kopf und meinte: „Sie werden einfach nicht klug und machen immer wieder den gleichen Mist.“
Und jetzt? Jetzt bahnt sich offenbar ein weiteres Mal an, gegen Russland zu verlieren. Und ganz wie pathologisch unheilbare Narzissten sehen sie ihre bornierte Rechthaberei nicht ein und scheinen lieber einen erweiterten Suizid in Form des atomaren Amoklaufs in Kauf zu nehmen, als ihre unmenschliche Anmaßung fallen zu lassen. Anders kann ich die Aussagen über noch mehr Waffen, weitreichende Raketen und Bodentruppen nicht sehen. Was müssen sich für kleine Wichte in den regierenden Gernegrößen vieler westlicher Länder verbergen, die nicht in der Lage sein können, eigenes Fehlverhalten zu korrigieren? Davor kann ich nur Abscheu empfinden und als Therapeut Ansporn entwickeln, meine Möglichkeiten zu nutzen, um mich diesem Irrsinn zu verweigern. Auch das sehe ich als Teil des Heilens, z. B. durch Schreiben solcher Texte wie hier.
Nicht gegen die Angst kämpfen, sondern auf sie hören, um die Gründe zu beseitigen, die zu ihrem Erscheinen führen.
Hendrik Heidler, Scheibenberg, 3. März 2024
PS:
Mich erstaunt, wie auch von der hiesigen Regierung auf großzügigste Weise ungeahnte Geldmengen für Rüstung und Krieg ausgegeben werden – frisch gedruckt oder aus Steuern gewonnen. Wenn ich mir dabei vorstelle, dass auch von Heilberufen abgeschöpfte Steuern für die Zerstörung von Gesundheit und Leben eingesetzt werden, wird mehr als deutlich gezeigt, wie pervers dieses gesellschaftliche System ist.
TraumzeitPraxis Nachrichten, [03.03.24 10:57]
„Sag' mir, wo die Blumen sind
Lied von Marlene Dietrich
Sag mir wo die Blumen sind
wo sind sie geblieben
Sag mir wo die Blumen sind
was ist geschehen?
Sag mir wo die Blumen sind
Mädchen pflückten sie geschwind
Wann wird man je verstehen
wann wird man je verstehen?
Sag mir wo die Mädchen sind
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Mädchen sind
was ist geschehen?
Sag mir wo die Mädchen sind
Männer nahmen sie geschwind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?
Sag mir wo die Männer sind
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Männer sind
was ist geschehen?
Sag mir wo die Männer sind
zogen fort der Krieg beginnt
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?
Sag wo die Soldaten sind
wo sind sie geblieben?
Sag wo die Soldaten sind
was ist geschehen?
Sag wo die Soldaten sind
über Gräben weht der Wind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?
Sag mir wo die Gräber sind
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Gräber sind
was ist geschehen?
Sag mir wo die Gräber sind
Blumen wehen im Sommerwind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?
Sag mir wo die Blumen sind
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Blumen sind
was ist geschehen?
Sag mir wo die Blumen sind
Mädchen pflückten sie geschwind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?“
Quelle: LyricFind
Songwriter: Peter Seeger