Immergrün – fotografiert von Hendrik Heidler

„Sollte Kassandra Chancen haben, heute gehört zu werden?“

Von Hendrik Heidler

geschrieben am 21.04.2020 von Hendrik Heidler, Scheibenberg

„Seit Kassandra, der keiner glauben wollte, die die Mächtigen, die Männer verärgerte, die schließlich Opfer ihrer Sehergabe wurde, seit damals hat alles seinen Lauf genommen.

Jetzt ist Endspurt. Sollte Kassandra Chancen haben, heute gehört zu werden?”  
Christa Wolf, Kassandra (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)

 

Perspektiven - Angst behütet

Von Hendrik Heidler

 

Fragen

In welcher zukünftigen Welt wollen wir und sollen unsere Kinder eigentlich leben? Werden jetzt die Weichen für eine gestellt, in der von einer Angst in die nächste gerannt werden muss, weil ein Virus natürlicher Weise dem nächsten folgt? Soll diese Welt nur noch aus völlig vereinzelten Menschen bestehen, die sich bloß noch anhand von Nummern auf ihren Schutzmasken erkennen, sich meterweit aus dem Wege gehen, über Maschinen kommunizieren und sich von Robotern pflegen lassen? Kein Lächeln mehr sondern starrende Augen und jeder sieht im Anderen einen Feind? Wollen wir das wirklich?

 

Angst

Angst fühlt sich unangenehm an. Die Angst vor der Angst kann verrückt machen. Angst kann sich verselbstständigen. Angst an sich zu bekämpfen, macht noch mehr Angst. Und Angst zur Grundlage persönlicher und gesellschaftlicher Entscheidungen zu machen, ohne die Gründe für angstmachende Probleme ungeschminkt aufzudecken, führt zu Nebenschauplätzen die letztlich noch mehr Angst bewirken. Das kann wahnhafte Züge annehmen. Wie auch anders, auch ungestillter Durst führt letztlich zu wahnhaften Zuständen, zur Verwirrung des Geistes. Und die Verwirrung einer ganzen Weltgesellschaft erleben wir momentan (exemplarisch).

Angst ist eine ebensolch lebenserhaltende Funktion wie der Durst. Fehlt Wasser, bekommen wir Durst und wir trinken. Kein halbwegs „normal“ tickender Mensch käme auf die Idee, bei Durst zum Arzt zu wackeln, um sich Medikamente gegen den Durst verschreiben zu lassen. Mit der Angst ist es unverständlicherweise ganz anders. Statt die Gründe für aufkommende Ängste zu erkennen und entsprechend zu verändern, werden diese ausgeblendet und die Angst an sich bekämpft. Dafür gibt es allerlei Möglichkeiten, von legalen Drogen, über Medikamente, psychologische Konditionierung bis hin zu politisch-medialem Aktionismus.

Aber die Angst selbst ist in den meisten Fällen nicht das Problem. Fast immer erfüllt sie schlicht ihre ureigenste Aufgabe, auf gegenwärtige und sogar zukünftig mögliche Gefahren hinzuweisen, die das eigene Leben hemmen oder direkt bedrohen können. Dabei ist die Angst erstaunlich hartnäckig. Was durchaus Sinn macht, führt doch das Überhören ihrer unangenehmen Hinweise letztlich zu lebensbedrohlichen Zuständen. Angst muss sich unangenehm anfühlen, damit auf sie gehört wird! Und in bedrohlichen Situationen wie gegenwärtig, in denen gewohnte Lebensumstände zerbrechen und überhaupt nicht abschätzbar ist, was danach kommt, wäre fehlende Angst doch recht ungewöhnlich. Wie sehr sich dabei ängstlich an Gewohntem orientiert wird, ist mehr als verständlich, selbst wenn es die Lage noch verschlimmert. Ein Grund, weshalb viel paradoxes dieser Krise dennoch hochansteckend wirkt und ganze Gesellschaften befällt.

Die Angst ist eine unserer treuesten Freundinnen. Sie andauernd vor den Kopf zu stoßen, sie zu besaufen, zu berauschen, fortzuschicken oder anderweitig einzusperren, lässt uns die Gefahren übersehen, auf die sie verweist, wodurch diese uns zunehmend gefährlicher werden können. Und Angst kann sich verselbständigen, vielleicht wenn sie sich zu lange nicht beachtet fühlt?

Die Angst zeigt sich aus verschiedenen Gründen und in verschiedenen Formen. Auf den Punkt gebracht ist sie die unerfüllte Sehnsucht der dürstenden Seele nach Erleben und Erfahren des Lebens.

Hier einige Hinweise:

  • verhinderte Lebendigkeit und Lebenslust
  • äußere Gefahren
  • Stockende bzw. verhinderte Wandlungen wie Pubertät und Wechseljahre
  • symptomatisch unterdrückte Erkrankungen
  • Sinnleere und Unerfülltheit
  • verweigerte Schöpferkraft
  • Verlust des Lebenstraums
  • große Veränderungen der Lebensumstände
  • fehlende Perspektive

Werden die Gründe für Angst als unlösbar erlebt, kann es geschehen, dass Ersatz dafür herhalten muss. Die Beseitigung dieser Ersatzgründe kann zwar einige Zeit allzu drängende Angst lindern helfen, aber nicht auf Dauer. Die Angst wird diese fadenscheinigen Manöver bald durchschauen und erneut erscheinen. So verhält es sich auch mit den derzeitigen Maßnahmen hinsichtlich der Corona-Krise.

Damit soll in keinster Weise geleugnet werden, dass Infektionskrankheiten große Gefahren mit sich bringen können und verschiedene hygienische und medizinische Maßnahmen durchaus Sinn machen. Aber es seien sehr wohl Maßnahmen in Frage gestellt, die angeblich der Volksgesundheit dienen, offenbar jedoch in ganz andere Richtung zielen.

 

Ursachen

Viele Menschen spürten bereits seit Jahren ein Unbehagen, wenn nicht Angst, über die gesellschaftlichen Entwicklungen. Gewalt, unsichere Arbeitsplätze, weltweiter Verfall staatlicher Ordnung und Durchsetzungsfähigkeit, Entwertung des Geldes usw. Alles symptomatische Ausdrücke der systemischen Krise des Kapitalismus, die jedoch nicht als solche erfasst werden wollen. Anstatt sich mit notwendig menschlichen Perspektiven jenseits dieses unmenschlichen Gesellschaftsform auseinanderzusetzen, soll dieses System jedoch nicht an sein geschichtliches Ende gekommen sein dürfen. Auch hier werden alle möglichen, fiktiven Ersatzgründe gesucht, dieses „Sterben“ zu leugnen. Das ändert natürlich nichts an der realen Perspektivlosigkeit dieser Daseins- und Wirtschaftsweise als Ganzes und damit auch ihrer Träger innerhalb dieser Form, alle derzeit lebenden Menschen.

Obwohl es auch in dieser Systemkrise noch Gewinner gibt, unterliegen diese unweigerlich ebenfalls den systemischen Verfallserscheinungen. Das führt zu einer Verschärfung der Konkurrenz um die noch vorhandenen Möglichkeiten, sich innerhalb dieses Systems erfolgreich zu behaupten. Aus der alltäglich gewohnten und halbwegs gezähmten Konkurrenz wird nun eine Vernichtungskonkurrenz. Mit deren fragwürdigen Erfordernissen Schritt zu halten, gelingt immer wenigeren – unter anderem auch, weil dafür zunehmend moralische Skrupel über Bord geworfen werden müssten. Nicht alle aber kennen solche Hemmungen, wie sich medial beobachtbar am immer dreisteren Negativverhalten in Politik, Medien und Wirtschaft zeigt. Dieser zunehmend an Fahrt gewinnende gesellschaftliche Verfall ist natürlich auch den Funktionsträgern, Wirtschafts- und Wissenschaftseliten nicht entgangen. Dennoch suchen sie nach Wegen, diesen Prozess in den Griff zu bekommen bzw. umzukehren oder schlicht zu leugnen. So sieht gesellschaftlicher Amok aus. Es soll die Perspektive in der Perspektivlosigkeit gefunden werden, oder anders ausgedrückt, ein perspektivloses System soll Perspektiven eröffnen, indem man bis zur Selbstvernichtung exakt auf dieses System setzt, es intensiviert. Wie soll das gehen? Der erschossene Hase soll durch weiteres Erschießen gerettet werden.

Darum verwundert es nicht, wenn ein irrationaler Wahn installiert wird, um die irrationale Quadratur des Kreises doch noch hinzubekommen und wenn dabei die ganze Welt zum Teufel fährt. Erstaunlich, dass zur Rettung dieses Systems nun das mit aller Macht erzwungen wird, was es wie der Teufel das Weihwasser scheut: wirtschaftlicher Stillstand, ja, Rückgang. Mir entzieht sich der Grund, selbst aus einer angenommenen Sichtweise der Kapitalismusbefürwortung, wie das möglich werden soll. Da sich ein weiterer systemischer Krisenschub bereits im vergangenen Jahr abzeichnete, überlagern und verstärken die Corona-Maßnahmen diesen ins Extreme. Offenbar hängen die kapitalistischen Verantwortungsträger dem irrigen Glauben an, politische Entscheidungen hätten die Macht, aus Luft dennoch wieder Gewinn ausreichend schöpfen zu können, wenn die Corona-Maßnahmen aufgehoben werden. (Oh heilige Einfalt.) War doch bereits jetzt der politische Handlungsspielraum nahezu auf Null gesunken, um irgend etwas „positives“ für den desolaten Zustand der kapitalistischen Weltwirtschaft bewegen zu können. Zur Erinnerung: der Staat und damit sein Handlungsspielraum ist absolut abhängig von Steuereinnahmen. Diese werden gewinnträchtigen Unternehmen entnommen. In dem Maße aber, wie die Generierung von Mehrwert versiegt, verliert der Staat an Macht und Einflussnahme. Jeder erlebt dies seit Jahren bzw. kann es beobachten. Die „Alternative“ liegt im Monopol des Staates, Geld aus dem Nichts zu schöpfen, also zu drucken. Ohne reale Wertdeckung geht das natürlich nur eine Weile. Diese Erkenntnis mag auch einer der Gründe sein, gegenwärtig das staatliche Gewaltmonopol aus dem Zylinder zu zaubern und ganze Völker in Haft zu nehmen. Gar nicht auszudenken, diesen dämmert das eigentliche, systemische Problem und sie würden sich zusammenfinden und nach Perspektiven jenseits des Kapitalismus beginnen zu suchen. Der jedenfalls bietet nur noch eine Perspektive, die keine ist: Barbarei.

Das ahnen die Menschen, auch wenn sie es sich nicht eingestehen bzw. bewusst wahrhaben wollen. Daher begrüßen die meisten, schlicht aus Gewohnheit und Konditionierung diese tatsächlich völlig wirren und hilflosen Maßnahmen gegen das Leben, wozu auch die Viren gehören. Dieser verrückte Krieg ohne Sinn kann natürlich nie gewonnen werden, genauso wenig wie Menschen von Depression geheilt werden könnten, indem man ihnen den Kopf abschneidet. Auf Erden existieren mehr Viren als Sterne im Weltall. Sie sind Teil des Lebens, haben unser Immunsystem wesentlich mit geschaffen und halten uns gesund, es sei denn, wir stören diese Fähigkeit durch kurzsichtige, unfähige und wahnhafte Eingriff in diese, über Jahrmillionen bewährte Symbiose. Leider ist das Alltag der kapitalistischen Daseinsweise und absolut kontraproduktiv wird das jetzt offenbar als letzte Reserve, als eine Art Volkssturm ins Extreme gesteigert. Was wird sich denn gedacht, wie mit dem nächsten und übernächsten und überübernächsten Virus umzugehen sei? Offenbar Amok statt Menschlichkeit! Was für Horrorvorstellung, Schulklassen voller vermummter Schüler. Kein Lächeln aus heiteren Gesichtern, nur angstvoll starrende Augen. Und in den Masken? Leckende, hustende und knabbernde Münder – staatlich angeordnete Produktion von Keimschleudern für angsterschaffene Immunschwächen. Kennzeichnung für untertänige Gehorsamkeit, samt automatisierter Existenzgefährdung Andersdenkender? Weder die Politik noch die moderne Naturwissenschaft und auch nicht die Schulmedizin haben offenbar einen heilsamen Plan, wie sie einen solchen Krieg gegen das brodelnde Leben gewinnen können. Also setzen sie auf längst gescheiterte Konzepte von denen ebenso längst bekannt ist, dass allein durch die millionfach höhere Generationenfolge als bei uns Menschen die Mikroorganismen locker Resistenzen herausbilden bzw. sich einfach verwandeln. Exemplarisch dafür sind die einst großspurigen Ankündigungen für eine AIDS-Impfstoff, den es bis heute nicht gibt. Die HIVs sind einfach zu wandlungsfähig. Auch der jetzige Corona-Virus wird ähnliche Wege gehen. Da wäre es doch das Naheliegendste das zu stärken, was damit umgehen kann: das Leben, speziell das Immunsystem. Das kann auch mit unentdeckten Mikroorganismen symbiotisch umgehen lernen, ganz wie Paracelsus meinte, erst ist der innere Arzt zu stärken, ehe der äußere eingreift und nicht andersherum. Aber Volksmedizin, Kräuterheilkunde, Homöopathie usw. werden abfällig belächelt und als wirkungslos abgetan, sind für die Behandlung solcher Erkrankungen seit langem verboten! Und noch dazu dreist zu behaupten, die Corona-Maßnahmen seien mehr oder weniger „aufrechtzuerhalten, solange es keine Medikamente gebe“ grenzt bereits ans Verbrecherische und kann getrost als eigentliche Verschwörungspraxis gegen das Leben beschrieben werden. Denn es gibt Medikamente, bloß eben keine schulmedizinischen. Aber womit Perspektiven bestünden, werden diese abgewürgt.

Es sei u. a. an pflanzliche, homöopathische und schamanisch-energetische Möglichkeiten erinnert, die mit umfassenden Wirkkräften für Körper-Geist-Seele aufwarten und die auch das „Gehör“ für die Sprache der Angst schärfen helfen.

 

Perspektivlosigkeit und Sinnleere

Werden all die derzeitigen Ängste und Aktionismen ihrer oberflächlichen Deutungen entledigt und der übergreifende Grund dafür benannt, dann ist es diese atemberaubende Perspektivlosigkeit die jedes Sinns beraubt, so konstruiert er auch gewesen sein mag. Perspektivlosigkeit und Sinnleere sind nicht erst jetzt, in dieser offen ausgebrochenen Systemkrise entstanden sondern Wesensmerkmal des kapitalistischen Gesellschaftssystems, seit es historisch die Bühne der Welt betrat. Anfangs wurde die Menschheit gewaltsam hineingeprügelt und jetzt wehrt sie sich standhaft dagegen, herauszukommen. Aber der Mensch hält gerade diese beiden unsäglichen Zustände nicht wirklich aus. Um dennoch damit irgendwie zurecht zu kommen, fand er lange Zeit allerhand konsumierbare Mittelchen dafür. Das beschaulich-bürgerliche Leben eben, was sich im Autofahren, Fernseh- und Warenkonsum, auch ein bisschen Weltreiserei und viel dämpfender Ideologie erschöpft. Vor allem die Ideologie der Ideologielosigkeit. Damit ist es auf einem Schlag vorbei. Und was nun? Natürlich schreien alle so konditionierten Menschen nach Rückkehr zum davor (auch wir empfinden nicht wesentlich anders, haben Angst vor dem Unbekannten, was ansteht, Angst vor dem Verlust von gewohntem, ganz gleich ob es uns gut tut oder nicht). Lieber ein bekanntes Leiden als ein unvertrautes Heilen. Wie gesagt, das ist die Logik aus dem Bekannten, aus der alltäglichen Gewohnheit. Gerade und besonders die klinische Medizin, die jetzt ihre fröhlichen Urständ feiert, suchte das Heil im Ausgangszustand vor der Erkrankung. So kennen wir es alle und so hoffen wir es und darauf bauen wir nun auch in dieser vermeintlichen Virusattacke.

Aber nein, das bietet absolut keine Perspektive und auch das ahnen sicherlich inzwischen die meisten, wenn es auch nicht wahrgehabt werden will. Im Gegenteil, deshalb geht das Fenster, in dem Perspektiven jenseits des kapitalistischen Weltsystems gefunden und gestaltet werden können, immer weiter zu. Genauso wie die Gefahr zunehmend wächst, dass infolge der sozialen Distanz die Gefährlichkeit von Mikroben erst recht zunimmt, schlicht, weil die Menschheit künstlich davon abgehalten wird mit der Entwicklung des Lebens, also in diesem Falle der Viren, schritt zu halten. Die Folge: auch die lebensfeindlichen Maßnahmen der Immunsystemschwächung, werden entgegen derer Verkündung eine weitere Schwächung des Immunsystems nach sich ziehen. Eine Abwärtsspirale ohne gutem Ende.

 

Perspektiven

Also braucht es für einen halbwegs geordneten Übergang zu einer menschlichen und lebensdienlichen Gesellschaftsform bewusste Entscheidungen sich diesem irrationalen Wahn nicht nur zu entziehen, sondern praktische Schritte der zügigen Überwindung derselben in die Wege zu leiten. Allein „positiv“ denken und zu hoffen, danach so weiterzumachen wie vorher, ist eigentlich „negativ“ denken. Das ist so ähnlich wie fröhlich zu hoffen, nach der Hinrichtung wird schon alles gut werden. Optimismus und positives Denken liegt in der Bereitschaft, eine menschliche Systemalternative zum Kapitalismus für möglich zu halten und nicht darin, „Kassandra“ als pessimistische Schwarzmalerin zu verteufeln.
Außerdem wäre es nötig, jetzt massenhaft gemeinsam aufzustehen, „nein“ zu diesem Wahn zu sagen und für den Erhalt der Existenz jedes Einzelnen zu sorgen, und jetzt kommt's: OHNE Rücksicht auf die Finanzierbarkeit! So würde es die erreichte Produktivität und die vorhandenen Produktionskapazitäten ermöglichen, die Dinge des täglichen Bedarfs zur Befriedigung aller natürlichen und sozialen Bedürfnisse einfach zu verteilen. Stattdessen werden sie lieber weggeworfen, um das System, die Rentabilität zu erhalten.

Es braucht also gerade jetzt finanzielle bzw. materielle Perspektiven für jeden, bedingungslos und ohne nachhaltige Folgen in Form von Rückzahlungen, Sanktionierungen usw., also gerade nicht in Form dieser zynischen Darlehensmöglichkeiten, die oft genug die individuellen bzw. familiären Katastrophen nur in die Zukunft verschieben. Diese anderen, auch unrentablen finanziellen bzw. materiellen Perspektiven sind entgegen den, von der Leine gelassenen kapitalistischen Funktionseliten durchzusetzen. Denn, und das kann gar nicht oft genug gesagt werden, dieses System hat auch ohne die ausgerufene Corona-Krise keine Perspektive mehr und Mammutprojekte wie Superflughäfen und -bahnhöfe helfen da auch nicht, sind ja ebenfalls unrentabel. Wie soll dann darauf perspektivisch zu hoffen sein, dass beispielsweise ein halber Staatshaushalt von 150 Mrd. Euro einfach mal so rentabel zurückgezahlt werden kann und ohne die Schwächeren noch mehr auszuquetschen, wenn zukünftig und gerade auch verstärkt durch die Corona-Maßnahmen die steuerlichen Einnahmen noch mehr versiegen werden? Gleiches trifft ebenfalls für die einzelnen Menschen zu. Ein Wechselspiel, was nicht gelingen kann.

Weiterhin kann die Lösung offensichtlich nicht in nationaler Abschottung liegen. War die Globalisierung bereits eine (neoliberale) Reaktion auf die sich abzeichnende Systemkrise und den Verfall der Nationalstaaten, so kann es doch nicht ernsthaft angestrebt werden, nun die globalisierten Wirtschaftsstrukturen zu zerreißen, um das System zu retten, indem man den global verquickten Rettungsanker zerstört. Auch das ist Amok. Und wieder muss sich die Beschleunigung des Verfalls ergeben.

Und darum bleibt der Menschheit als Ganzes und jedem Einzelnen als Teil dieses Ganzen nichts weiter übrig, wenn sich ein letztes bisschen Verstand erhalten hat und gelebt werden will, als dieses perspektivlose System endlich zur Hölle fahren zu lassen und Perspektiven dort zu entdecken und zu gestalten, wo sie zu finden sind, eben jenseits und außerhalb desselben. Erst wenn das eingesehen wird, wenn damit begonnen wird, zu träumen, wie es Susann so anschaulich in Ihrem Text: „Es ist Zeit zu träumen ...“ vorgeschlagen hat, kann sich die Sinnleere und die Perspektivlosigkeit auflösen und wieder Lust auf Zukunft zeigen … und die Angst Ruhe geben.

Und damit kann nun wirklich jeder selbst beginnen, seine eigenen Perspektiven erträumen um sich in Kreisen zusammenzufinden. Sich berührende und überlappende Kreise im familiären bzw. freundschaftlichen Rahmen bis hin zu solchen der Regionen, Länder und Kontinente, Kreise von Experten und fachlich Interessierten, um gemeinsam die anstehenden Probleme zu bewältigen und die aktuellen Lösungen gleichzeitig perspektivisch auf eine andere, menschliche Vergesellschaftung auszurichten. Das wollen und können die bisherigen Machtstrukturen und deren Funktionsträger nicht leisten, schlicht, weil sie sich sonst als solche selber abschaffen müssten.

 

PS:

Krankheiten sind eben nicht allein rein individuelle Zustände, die bloß individuell behandelbar sind, sondern können viele Ursachen haben. Werden beispielsweise gesellschaftliche Gründe übersehen, von denen übrigens bereits vor 500 Jahren! Paracelsus wusste, kann mit Corona-Maßnahmen und lächerlichen Gesichtsmasken auf und nieder gehüpft werden, es wird nichts bringen oder gar verschlimmern. Gesundheit wird damit weder erhalten noch Krankheit geheilt. Mikroorganismen werden gerade dann immer gefährlicher, je mehr versucht wird, sich von ihnen zu entfernen bzw. diese zu vernichten. Nicht, weil sie gefährlicher würden, sondern weil wir genau das damit zunehmend schwächen, was wir stärken müssten: unsere Lebendigkeit.

Abgesehen von der Stärkung unseres Immunsystem ist es gerade das soziale Miteinander, was beste Voraussetzungen bietet, Heilung zu bewirken bzw. Gesundheit zu erhalten. Erschreckend aber, wie dieses längst bekannte Wissen in den Wind geschlagen wird, das Einsamkeit und Entfremdung direkt krank macht. Das System läuft Amok, wo könnte es anhand dieser Tatsache deutlicher sichtbar sein als im Krieg gegen das soziale Miteinander?

Hendrik Heidler©, Scheibenberg, 20. April 2020

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